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Kernsanierung und Inneneinrichtung zweier Etagen zu einer modernen Zahnarztpraxis. Im Design finden sich viele Details des historischen Baubestands aus der Gründerzeit wieder, welche stilvoll mit moderner und edler Formgebung kombiniert wurden. Der Empfangsbereich ist hell und freundlich gestaltet und macht aufgrund des konkav verlaufenden Empfangstresens einen wilkommenden und offenen ersten Eindruck.
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Weiterlesen... [Inneneinrichtung einer Zahnarztpraxis mit Empfangstresen und Praxismöbeln]
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Komplette Inneneinrichtung einer Zahnarztpraxis in Düsseldorf. Elegante Empfangstheke im stilvollen Design. Funktionelle und hygienische Behandlungsmöbel aus Mineralstein.
Inneneinrichtung der Praxis-Dental Empfangsbereich
Inneneinrichtung der Praxis-Dental Empfangstheke
Inneneinrichtung der Praxis-Dental Empfangsbereich
Inneneinrichtung der Praxis-Dental Empfang
Design und PlanungPD Raumplan
Ort Düsseldorf, Stadtmitte
Anfertigungen Empfangstresen / Backoffice / Behandlungsmöbel
Materialien Mineralwerkstoff (LG HI-Macs)
Bauzeit2010 |
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Inneneinrichtung einer Arztpraxis: Gestaltung als Therapie
Schricker, Rudolf Deutsches Ärzteblatt 2000; 97(40): [8] PDF Version
Für die individuelle Realisierung einer Praxiseinrichtung, die medizinischen und gestalterischen Belangen Rechnung trägt, kommt auch die professionelle Unterstützung durch einen Innenarchitekten in Betracht. Grundsätzlich basieren alle Überlegungen zur Gestaltung einer Arztpraxis auf ökonomischen, funktionalen und technischen Einflussfaktoren; ebenso sind humanwissenschaftliche Kenntnisse und künstlerisch-ästhetische Belange zu berücksichtigen. Darüber hinaus müssen diesen Planungsgrundsätzen die praxisspezifischen Organisationsformen und deren Optimierung zugrunde liegen. Es ist ein Vorurteil, dass individuelle Lösungen durch einen Architekten oder Innenarchitekten von vornherein teuerer sind als vergleichbare Konzepte herkömmlicher Praxiseinrichter; in der Regel lassen sich dabei Kosten reduzieren und Folgekosten minimieren. Das Team Arzt und Innenarchitekt kann eine abgestimmte Konzeption der medizinischen und der gestalterischen Belange entwickeln, die das Wohlbefinden der Patienten in den Mittelpunkt stellt und das Verhältnis Arzt – Patient im Hinblick auf eine langfristige, identifikationsreiche Bindung unterstützt. Voraussetzung dafür ist, dass bei der Gestaltung einer Praxis die Patientenstruktur unter Einbeziehung physischer, psychischer und sozialer Gegebenheiten im Arzt-Patienten-Verhältnis berücksichtigt wird.
Identität der Praxis
Praxisidentität gründet im so genannten CI-Gedanken (Corporate Identity). Nur durch eine positive Selbstdarstellung ist eine breite Akzeptanz der Praxis möglich. Ein homogenes Erscheinungsbild der Praxis als medizinisches Dienstleistungsmanagement muss dabei sowohl nach außen als auch nach innen erzielt werden. Es betrifft:
- das Selbstverständnis,
- die Leistungsfähigkeit,
- die Arbeitsweise und
- die Zielsetzung der Praxis.
Der CI-Gedanke wirkt sich positiv aus:
- innerhalb des Praxisunternehmens auf die Mitarbeiter hinsichtlich Motivation und Leistungsbereitschaft sowie auf das persönliche Wohlbefinden und die Identifikation mit dem Arbeitsplatz;
- nach außen auf die Annahme der Praxis durch die Patienten und auf die Kooperation von gegebenenfalls zuweisenden Arztkollegen.
Die Innenarchitektur sollte Teil der CI und des Images der Praxis und des Arztes werden. In der Gestaltung seiner Praxis kann der Arzt sein Selbstverständnis und seine Vorstellung von Atmosphäre entwickeln und diese mit Hilfe des Innenarchitekten darstellen. Die angestrebte Unterscheidbarkeit beginnt beim Arztschild, geht über das Briefpapier, die Einführung eines Logos, führt über die Grundriss- und Raumgestaltung und betrifft auch die Praxisausstattung mit all ihren Details.
Die Atmosphäre
Der Patient soll sich im Ambiente der Praxis ernst genommen fühlen; er sollte die Hochachtung und die Wertschätzung seiner Person durch die sensitive Gestaltung spüren. Eine positive Grundstimmung wird auch durch eine stimmige Atmosphäre und einfühlsame Gestaltung erzeugt. Diese ganzheitliche Atmosphäre umfasst:
- den Arztbereich:
Die Gestaltung sollte mit der Persönlichkeit des Arztes, seinen Ambitionen und Zielen im Einklang stehen, seine Motivation fördern und die Freude an seinem Beruf unterstützen.
- den Patientenbereich:
Die Gestaltung trägt wesentlich zum physischen, psychischen und sozialen Wohlbefinden der Patienten bei, fördert die Selbstreflexion und das Selbstverständnis.
- das Praxispersonal:
Die Gestaltung fördert die Motivation und die Identifikation mit der Umgebung, dem Arbeitsplatz und dem Verantwortungsbereich.
Die Atmosphäre in einer Praxis berührt darüber hinaus auch übergreifende, für alle Beteiligten wichtige Komponenten wie Ruhe und Konzentration, Kontrolle, Distanz, flexible Pufferzonen (zum Abfedern plötzlichen Besucherandrangs) und Integration. Die effiziente Abstimmung zwischen der Raumgestaltung des Planers, der Zeitplanung des Arztes und der Wirtschaftlichkeit der Praxisführung muss Vorschriften wie zum Beispiel Hygieneregeln, Handlungsabläufe und organisatorische Sachzwänge im angestrebten Praxisprofil berücksichtigen. Die Räume sollten analog einer exakten Analyse der Funktionsabläufe und deren Optimierung entwickelt werden.
Eingangsbereich und Empfang
Schon der Eingang zu einer Praxis sollte einladend wirken und den Patienten willkommen heißen. Allgemein weckt eine differenzierte Lichtsituation, die unterstützt durch Glas zwar Einblick gewährt, jedoch die Intimität und Vertraulichkeit wahrt, Interesse und Neugierde. Der Empfang ist in der Regel der Mittelpunkt der gesamten Praxis. Neben der „Annahme“ und Verteilung der Patienten in die Warte- und Funktionsbereiche werden die Arbeitsplätze des Empfangs zum zentralen Ort der Kommunikation. Deshalb ist die ideale Form der Empfangstheke dem Gast zugewandt und „fängt ihn auf“. Ausreichend Tagesbelichtung und Bezug nach draußen sind wesentlich. Eine zentrale Empfangstheke ist wichtigster Bestandteil der gesteuerten Netzplanung, die Arbeitsabläufe koordiniert, die Wege kurz hält und essenzielle Kontrollfunktionen ausübt. Die Einblicknahme in sämtliche peripher angeordneten Räume ermöglicht den Überblick über Patientenverhalten, Sprechzimmerbelegung und medizinische Therapieräume. Die Arbeitsplätze innerhalb der Empfangstheke üben auch Verwaltungs- und Bürotätigkeit aus und beherbergen technisches Equipment (zum Beispiel Computer, Telefon, Aktenschränke). Ideal sind ringförmig um diese zentrale Theke angelegte Räumlichkeiten entsprechend den Handlungsabläufen in der Praxis, wie beispielsweise Sprechzimmer, EKG-Raum, Labor, Therapieraum, Patienten-WC, Personalaufenthaltsraum, Lager.
Wartezone
Der Wartebereich einer Praxis sollte durch Glas- und Lichtkulissen separiert von den übrigen medizinisch-funktionalen Räumen angeordnet sein und einen Intimraum darstellen – ein temporärer Rückzugsraum für die Patienten. Flexibel im Erscheinungsbild, variantenreich in der Schaffung immer neuer Raumatmosphären, wird der Wartebereich so zum abwechslungsreichen Aufenthaltsraum. Der Raum sollte dabei unterschiedliche Wahrnehmungsphänomene ermöglichen. Visuell kann das Auge durch ein sinnvoll komponiertes Zusammenspiel von differenzierten Lichtinseln und Effekten mit Farbimpulsen und unterschiedlichen Materialien angeregt werden. Akustisch wird die differenzierte Wahrnehmung des Raumes angeregt durch den ausgewogenen Gleichklang zwischen Schallabsorption und Reflexion. Wasserspiele können eine natürliche Geräuschkulisse vermitteln. Musikalische Untermalung steigert das wohltemperierte Wahrnehmen einer angenehmen Raumatmosphäre. Geruch entspricht den ursprünglichen Erfahrungsbereich der Menschen durch Pflanzen und natürliche Materialien. Haptische Erfahrungen durch die Haut lassen sich durch die angenehme Formung von Holzsitzbänken, durch Lederauflagen und Griffbereiche unterstützen. Farben im Wartebereich ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und sind interpretationsfähig, phantasieanregend. Ein solches Raumklima, das die Wahrnehmungsorgane positiv fordert und fördert, schafft Vertrauen und weckt die Neugierde. Die Wartezeit wird nicht mehr unangenehm empfunden, sondern als Zeitintervall der Vorbereitung, des Dialoges, des Wahrnehmens und der Selbstwahrnehmung. Im Dialog mit dem Raum wird die Empfindung der eigenen Körperlichkeit im Bezug zum umgebenden Raum als positiv erlebt. Die offene und fließende Anordnung des Wartebereiches zur Praxis stellt den Patienten in den Mittelpunkt. Der Patient fühlt sich ernst genommen. Die dezentrale Position des Wartebereiches hat zahlreiche psychologische Gründe. Dem Patienten wird die Erfahrung von Geduld erleichtert. Er wird in einer kleineren Gruppe individualisiert und findet sich in Gesellschaft wieder, der er sich nähern oder zu der er Abstand wahren kann. Verkehrswege und Raumempfinden sollten sehr großzügig verknüpft werden, so dass kein Gefühl der Enge oder Desorientierung aufkommen kann. Werden die Räume fließend miteinander verbunden, lassen sie den Patienten die Entscheidung über Bewegung von öffentlichen Wartebereichen hin zu halböffentlichen Zonen der Therapie bis zu intimen Räumen der Sprechzimmer.
Raumstimmung und Gestaltungstherapie
Die Farben und Materialien sind überlegt und sensibel abzustimmen. Dabei sollten wahrnehmungspsychologische Erkenntnisse ebenso wie verhaltensrelevantes und soziopsychologisches Wissen berücksichtigt werden. Empfehlenswert ist die Verwendung natürlicher Materialien, die ökologisch unbedenklich sind: Glas, Holz, Kupfer, Gips. Hierzu einige Beispiele:
- Glas in Verbindung mit Licht suggeriert Transparenz und Offenheit; beleuchtete satinierte Glasscheiben verhindern gleichzeitig zu große Einsichtnahme und gewährleisten ein Maximum von Vertrautheit und Intimität. Helligkeit schafft eine freundliche und positive Grundstimmung. Die differenzierte Helligkeitsverteilung gibt dem betrachtenden Auge das Gefühl der Abwechslung und der Veränderung.
- Farben wirken vitalisierend und positiv stimulierend. Blau und gelb sind beruhigend und belebend im Wechsel; grün symbolisiert Natur und Pflanzenwelt als integrativen Raumbestandteil.
- Holz ist ein vertrauter Werkstoff, der Bezug zur Tradition schafft. Holz kann auch sehr modern wirken und in Kombination mit anderen Materialien wirkungsvoll eingesetzt werden.
Bei der Auswahl sämtlicher Materialien sind Grundsätze der Pflege und Hygiene, bauliche Einflussgrößen und das Erscheinungsbild zu berücksichtigen. Die Hygiene spielt in der Praxis dabei eine übergeordnete Rolle. Die Helligkeit des Bodenbelages unterstützt eine freundliche und helle Grundstimmung in den Räumen. Wände sollten in der Regel weiß geputzt oder mit abwaschbaren Tapeten versehen sein. Decken simulieren grundsätzlich Weite, Leichtigkeit und Reinheit; durch den Einsatz von Gips und weiß lackiert wirken sie anregend und abwechslungsreich in der Form. Plastizität der Decken vermeidet Monotonie und Rationalität. Abgehängte Decken, die im Gleichklang mit den verschiedenen Beleuchtungssituationen stehen, bilden einen wesentlichen Teil der Rauminszenierung und des Lichtkonzeptes. Die akustische Wirkung sollte in allen Räumen berücksichtigt werden. Große Anteile an akustisch relevanten Deckenbereichen formen in der Regel durch hohe Schallabsorption ein angenehmes Raumklima. Der Gleichklang und die Ausgewogenheit zwischen Schallabsorption und Reflexion sollte nicht dem Zufall überlassen weren. Halligkeit ist unangenehm und zu vermeiden. In hochfrequentierten Räumen wird der Schalldämmwert an der Decke durch gelochte Gipsplatten erhöht. Die Sprechzimmer sind akustisch hermetisch abzuschotten von den übrigen Räumen. Die Möbel sollten funktional optimiert, ästhetisch interessant und traditionell erfrischend sein. Glasteile als Raumteiler und Paravents gewährleisten einen Blick hinter die Kulissen und gewähren zugleich Schutz.
Licht bedeutet Vitalität und Leben
Licht ist ein zentrales Thema in der Planung einer Praxis. Einerseits ist Licht entscheidend bei der Schaffung von Atmosphäre, andererseits sind die Lichtverhältnisse Voraussetzung für die richtige Diagnose und Untersuchung. Die Bandbreite der zum Einsatz kommenden Lichtsituationen und Leuchten ist groß. So kann der Patient bereits vor dem eigentlichen Eingang durch Positionsleuchten, die Orientierungslicht darstellen, empfangen werden. Im Inneren ist eine abwechslungsreiche Beleuchtungssituation durch Halogenleuchten im Wechsel mit Kompaktleuchtstofflampen als Informationslicht und Grundhelligkeit angemessen. Die zentrale Empfangstheke sollte hell erleuchtet sein und mit Arbeitslicht in Arbeitshöhe und kontemplativem Licht im Deckenbereich angereichert sein. Im Wechsel entsteht der besondere Reiz. Generell gilt: Monotonie und „langweiliges“ Licht vermeiden. Reihen von Halogenleuchten in der Decke können dem Patienten den Weg in den Wartebereich weisen. Der Wartebereich selbst sollte mit einer Vielzahl unterschiedlicher Leuchten und Lichtsituationen (Erlebnislicht) ausgestattet sein. Decken-Halogenleuchten vermitteln Orientierung und Position. Indirektes Licht an der Decke erhöht den Erlebniswert. Es ist ein transzendentes Licht; ein Licht, das zum Nachdenken anregt. Positive Lichtstimmung wird durch eingefärbte Leuchten an den Wänden im Blickbereich (atmosphärisches Licht) unterstützt. Wichtige Zugänge, zum Beispiel zu den Sprechzimmern, können mit Positionsleuchten im Deckenbereich hervorgehoben werden. Die Sprechzimmer sollten mit weichem und sanftem Licht ausgestattet sein, das ein Betrachten der Decke in liegender Position als angenehm erscheinen lässt, ohne zu blenden (Untersuchungslicht). Zusätzliches Arbeitslicht auf dem Schreibtisch oder als Stehleuchte lenkt vom medizinischen Charakter der Praxisräume ab und vermit- telt vertraute Wohnlichkeit und Intimität. Die Therapieräume sollten sämtlich mit sanftem und weichem, aber auch mit gleichmäßigem und sehr hellem Licht versorgt werden. Laborräume müssen in der Regel zusätzliches Arbeitslicht über den Arbeitstischen erhalten. Rudolf Schricker
Zum Autor: Dipl.-Ing. Rudolf Schricker ist ordentlicher Professor an der Hochschule Wismar für Entwerfen, Innenarchitektur und Vizepräsident des Deutschen Bundes für Innenarchitekten BDIA, Bonn. E-Mail: Professor.Schricker@t-online.de |
Design in der Arztpraxis: Mehr als extravagante Spielereien
Bimmerlein, Julia; Reetz, David K.
Medikationen und medizinische Werte können auch online besprochen werden; immer vorausgesetzt, die Ärztin kennt den Patienten.
Gutes Design geht über die Gestaltung des Wartezimmerstuhls hinaus. Ziel muss es sein, die Praxis als Marke zu etablieren und so Patienten zu gewinnen und zu halten. Design ist ein inflationär gebrauchter Begriff, zu dem es bei Google auf Deutsch rund 40-mal so viele Einträge gibt wie zum Begriff Medizin. Benutzt man das Wort Design im Zusammenhang mit einer Arztpraxis, weckt dies möglicherweise Assoziationen zu exklusiven Einrichtungsgegenständen oder extravagant entworfener Medizintechnik, kurzum zu durchwegs stimmig und modern gestalteten medizinischen Räumlichkeiten. Dem einen mag dies mehr, dem anderen weniger wichtig sein. Doch die Disziplin hat sich entwickelt – vom individuell künstlerischen Formgestalter über das Dogma „form follows function“ zu einem heute stark nutzerorientiert arbeitenden Innovationsfachgebiet, das seinen ästhetischen Anspruch jedoch nicht verloren hat. In Zusammenarbeit mit anderen Experten werden nutzerorientierte Lösungen für Mensch-System-Schnittstellen erarbeitet. Ein Schwerpunkt liegt dabei im organisatorischen Bereich. Es geht nicht um experimentelle extravagante „Designerentwürfe“, sondern um methodisch und vom Nutzerbedürfnis ausgehende Entwicklungen. Diese sind auf ihren jeweiligen Kontext abgestimmt. Die Arztpraxis ist ein System, in dem verschiedene Menschen agieren und unterschiedlichste Prozesse ablaufen. Deshalb entstehen dort zwischen dem System und seinen Nutzern ständig Schnittstellen, für die gute Lösungen gesucht werden müssen. Die Liberalisierung des Gesundheitssystems nimmt stetig Fahrt auf. Rechtliche Rahmenbedingungen ändern sich fortlaufend und erhöhen einerseits die Eigenverantwortung der Patienten für ihre Gesundheit und schaffen andererseits Raum für neue Organisationsformen in der medizinischen Versorgung. Der aktuell vorherrschenden Unzufriedenheit mit der Versorgungssituation im Gesundheitswesen können innovative Lösungen in der Praxisorganisation entgegenwirken. Diese müssen Nutzerbedürfnisse berücksichtigen und damit sowohl den Ärzten und Praxisangestellten als auch den Patienten entgegenkommen. Eine Praxis, die es schafft, überraschende und funktionierende Serviceideen zu etablieren und nutzerzentrierte Lösungen zu entwickeln, fällt auf und stärkt ihr Profil. Durch diesen Innovationsvorsprung bleibt sie Patienten leicht im Gedächtnis. Da umfassende Designlösungen auf dem Gebiet der niedergelassenen Medizin bisher wenig verbreitet sind, können Pioniere in der Zusammenarbeit zwischen Medizin und Design die Patientenbindung stärken. Dies wird zunehmend wichtiger, wenn sich Arztpraxen mit den unterschiedlichsten Organisationsformen auf einem sich liberalisierenden Gesundheitsmarkt behaupten wollen.
Das Praxisprofil schärfen
Im Kontext der Zukunftsfähigkeit einer Praxis werden zusätzlich zur fachlichen Qualität auch die Schärfung des Praxisprofils und eine Markenbildung immer wichtiger. Hier kann jeder Arzt in dem für seine Organisation erforderlichen Umfang handeln.
Ob via SMS, per Mail oder Sprachnachricht, die Arztpraxis integriert neben einer effizienten Terminvergabe einen Informationsdienst für Terminverschiebungen.
Branchenübergreifend hat sich der Begriff Corporate Identity (CI) etabliert, die ein Unterscheidungsmerkmal zu konkurrierenden Unternehmen darstellt, indem sie das eigene Firmen-/ Markenbild durch ein einheitliches Erscheinungsbild prägt. Auch Arztpraxen, vor allem größere, haben bereits erkannt, wie wichtig es ist, mit einem Praxislogo und durchgängig darauf abgestimmten Drucksachen einen einheitlichen Auftritt zu erzeugen. Doch eine CI beschränkt sich nicht nur auf gut gestaltete Medien (print und digital). Diese sind lediglich ein kleinerer, wenn auch bedeutender und vor allem sofort sichtbarer Teil der gesamten Unternehmensidentität. Die CI setzt sich aus Corporate Design (CD) und Corporate Culture (CC) zusammen. Verkürzt dargestellt betrifft ihre Gestaltung, neben den erwähnten Medien, alle Produkte und Dienstleistungen, die Einrichtung und das Umfeld der Praxis sowie auch die individuelle Unternehmenskultur. Gestaltung und nutzerorientierte Organisation findet man daher auch in weniger sichtbaren und vielmehr spürbaren Bereichen der Praxis wieder, etwa in einem gezielten Serviceangebot des Unternehmens, der Ausbildung von Mitarbeitern oder den Umgangsformen der Praxisangestellten. Vor allem durch diese weniger offensichtlichen Merkmale lässt sich das Werteverständnis der Organisation gut vermitteln. Eine selbsterklärende digitale Serviceplattform, die den Patienten einen einfachen und zeitsparenden Zugang zu medizinischem Wissen ermöglicht, vermittelt diesen, dass die Praxis ihre Bedürfnisse und Fragen als Nutzer sehr ernst nimmt und deshalb passende Dienste anbietet. Praxispersonal, das stets in sauberer Kleidung seinen Dienst verrichtet und im Bedarfsfall sofort Ersatztextilien zur Hand hat, zeigt den Patienten, welchen hohen Stellenwert Hygiene in der Praxis einnimmt. Dieses Verhalten lässt darüber hinaus auf ebenso verantwortungsvolles Handeln bei anderen Aufgaben in der Praxis schließen. Ärzte und Helferinnen, die stets freundlich alle auftretenden Fragen beantworten, können ein klarer Hinweis auf das Bemühen um Transparenz im Leistungsangebot der Praxis sein. Solche Aspekte des Praxisalltags sind sowohl Bestandteile des Corporate Designs als auch der Corporate Culture einer Praxis und können bei Patienten ein nachhaltiges positives Bild der Organisation erzeugen. Sie werden aber häufig als wichtige Bestandteile für den Entwurf einer CI zu wenig beachtet. Design ist ein fortlaufender Prozess. Die Entscheidung, Design in eine Organisation mit einzubeziehen, ist eine langfristige. Ebenso wie sich eine Praxisorganisation, ihre Mitarbeiter und Leistungen weiterentwickeln, sind auch die CI und das Markenbild von diesem Prozess betroffen und einer stetigen Veränderung unterworfen. Die „erwünschte Wahrnehmung“ einer Praxis durch den Patienten muss wachsen. Daraus kann eine starke Bindung an die Praxis resultieren, weil der Patient weiß, welche Versorgung ihn hier erwartet.
Lösungen entwerfen
Die Zusammenarbeit mit zwei Allgemeinmedizinern ermöglichte ein Projekt, das sich mit dem Konzeptentwurf für eine deutschlandweit verbreitete allgemeinmedizinische Praxiskette beschäftigte. Dieser wurde im Hinblick auf Einrichtung, Vermarktung und Organisation erschlossen. Die entstandenen Teilentwürfe ordnen sich dabei einem allgemeinen Markenbild unter, das für das geplante Unternehmen entwickelt wurde. Die Service- und Konzeptgestaltung für diese neue Organisationsform in der niedergelassenen Medizin zeigt, dass gutes Design über die Gestaltung eines schönen Wartezimmerstuhls weit hinausgeht.
Mithilfe von farbigen Linien auf dem Boden werden die Patienten vom Eingang durch die Praxis über das Behandlungszimmer zum Ausgang geleitet.
Nachfolgende Beispiele stellen einige Einzelentwürfe aus den drei Bereichen des Konzepts vor und illustrieren Lösungen, die eine Praxis als Marke langfristig etablieren und ihr dabei helfen, eine CI auszubilden. - Wie Wirtschaftlichkeit und umfassende Patientenversorgung harmonieren Effektive Praxisauslastung: Am Morgen zum Physiotherapeuten, nachmittags zur Krankengymnastik und abends den Vortrag eines Ernährungsexperten anhören. Ein umfassendes Angebot, das durch die Integration von zusätzlichen Gesundheitsdienstleistungen in einer „Filialpraxis“ entsteht. Es stellt den Patienten in den Vordergrund und ermöglicht eine wirtschaftliche Auslastung der Räumlichkeiten. Praxen werben auf diese Weise für sich und bieten ihren Patienten an einem Ort mehr Service. Der externe Versorger kann viele potenzielle Kunden ansprechen und benötigt keine eigene Praxis. - Wie man den Hausarzt von morgen entdeckt Attraktives Studentenprogramm: Ein abgeschlossenes Medizinstudium und dann die Frage: Welcher Arztberuf ist der richtige für mich, oder gehe ich doch in die Wirtschaft? Dem Berufsmodell „Hausarzt“ fehlt es an Attraktivität, dabei wächst der Bedarf – vor allem in ländlichen Gebieten. Die Praxiskette wirbt mit einem organisierten Praktikum an der Universität um junge Mediziner und bietet eine alternative Famulatur in der Klinik an. Als niedergelassener Mediziner ohne eigenen finanziellen Aufwand in den Job zu starten, wird einem angestellten Arzt der Kette ermöglicht und ist daher für Absolventen interessant. So sorgt das Studentenprogramm stets für qualifizierten Nachwuchs. - Wie man direkt das Behandlungszimmer findet Gezieltes Leitsystem: Vorwiegend ältere Patienten begleitet ein Gefühl von Unsicherheit, wenn sie im Wartezimmer gebeten werden, das Behandlungszimmer aufzusuchen und sich dann allein auf die Suche machen. Viele müssen schließlich doch die Hilfe der Arzthelferinnen in Anspruch nehmen, um ihr Ziel zu erreichen. Das Leitsystem „Hänsel und Gretel“ teilt den Praxisbesuch in drei Phasen und leitet den Patienten mithilfe von farbigen Linien auf dem Boden vom Eingang durch die Praxis über das Behandlungszimmer zum Ausgang. Auf den Linien geht der Nutzer wie auf Wegen, er lässt sich so intuitiv leiten und kann sich selbstständig orientieren. - Wie Kommunikationstechnik eine familiengerechte Arbeitssituation schafft Zeitgemäßes Berufsmodell: In vielen Berufen ist es heute selbstverständlich: das Arbeiten von zu Hause aus, ermöglicht durch die Nutzung des Internets. Die Ausübung des Hausarztberufs via World Wide Web wird im Kontext einer Praxiskette vorstellbar. Patienten könnten ihren Arzt kontaktieren, ohne in die Praxis zu gehen. Es ist möglich, Medikationen und medizinische Werte über das Web weltweit zu besprechen, immer vorausgesetzt, der „Onlinemediziner“ kennt den Patienten – eine zeitgemäße Lösung für verschiedenste Lebenskontexte bei Ärzten und Patienten. - Wie Patienten, Praxen und andere Partner zusammenfinden Digitale Dienste: Der Patient kommt zu seinem Termin in die Praxis und nimmt „noch mal kurz im Wartezimmer Platz“. Aus kurz wird meist länger, und in der Zeit hätte er eigentlich noch etwas erledigen können. Ob via SMS, per Mail oder Sprachnachricht, die Praxiskette integriert neben einer effizienten Terminvergabe einen Informationsdienst für Terminverschiebungen. Auch der Empfang und das Nutzen digitaler Rezepte per Handy sind für Patienten möglich. Diese nutzengekoppelten, werbefinanzierten Dienste werden von Patienten akzeptiert und erhöhen ihren Freiheitsgrad. - Wie Akzeptanzprobleme überwunden werden können Individuelle Patientenkarte: Das Schreckgespenst „gläserner Patient“ ruft bei vielen Bürgern eine ablehnende Haltung gegenüber der elektronischen Gesundheitskarte hervor. Aber die Karte wird kommen. Es ist wichtig, dem Patienten die Chancen und persönlichen Vorteile durch die Karte zu vermitteln sowie weitere Verwendungsmöglichkeiten zu entwickeln. Die Möglichkeit, die eigene Gesundheitskarte individuell zu gestalten, erhöht die Identifikation des Patienten mit ihr. Das Urlaubsfoto oder die Zeichnung als Motiv sind einzigartig wie die Daten, auf die mithilfe der Karte zugegriffen werden kann. Die Herausforderungen eines sich liberalisierenden Gesundheitsmarkts betreffen jeden niedergelassenen Arzt individuell. Die Frage nach der besten Organisationsform und Ausrichtung der Praxis muss sich jeder stellen, der wettbewerbsfähig praktizieren möchte. Design ist in diesem Zusammenhang ein Baustein, der dabei hilft, eine Praxisorganisation zukunftsfähig zu gestalten und ihr Profil mit außergewöhnlichen Lösungen langfristig zu stärken. Dabei kann es keinen allgemeingültigen Idealweg aufzeigen, sondern muss seine Lösungen an den individuellen Kontexten und Bedürfnissen einer Organisation und der Menschen, die in ihr agieren, entwickeln. Julia Bimmerlein, David K. Reetz* *Die Autoren sind Studierende der Fachrichtung „Systemdesign“ an der Universität Kassel. Ihr Forschungsprojekt trägt den Titel „Die Praxisreform“. |
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